Das vergessene Instrument

Samstag 16.05.2020 19:30 Uhr
Maddalena del Gobbo – Baryton Sebastian Führlinger – Viola David Pennetzdorfer – Violoncello

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St. Ägyd

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Leopold Mozart beschreibt in seiner berühmten Violinschule das dem Cello und der Viola da Gamba nicht unähnliche Baryton: „also zwar, dass zu gleicher Zeit, als man mit dem Geigenbogen auf den oben gespannten Darmseyten die Hauptstimme abgeiget, der Daume durch das Anschlagen der unter dem Hals hinabgezogenen Seyten den Bass dazu spiele. Und eben deswegen müssen die Stücke besonders dazu gesetzet seyn. Es ist übrigens eines der anmuthigsten Instrumente.“ Und genau diese Anmut übersetzt die wunderbare italienische Gambistin Maddalena del Gobbo mit ihren Kollegen ins Hörbare.

„ad cor“ – zu Herzen soll es gehen. Das nur zum Schein vergessene Instrument. Komponisten schätzten die klangliche Raffinesse des Baryton; allein Joseph Haydn komponierte für Fürst Nikolaus I., den „Prachtvollen“, 115 Trios für das Baryton, Viola und Violoncello. Ihm ist es durch die wundervolle und berührende Stimme und die Ausdrucksmöglichkeiten des Bayrtons sowie dem von Leopold Mozart erwähnten gleichzeitigen Zupfen der Resonanzen im Spiel gelungen, eine zutiefst berührende Klangwelt zu erschaffen.

Der musikalische Dialog mit der Viola schafft zusätzlich eine einzigartige Atmosphäre, die asingulär in der Musikliteratur dasteht. Als öffne sich auf Schloss Esterházy ein Fenster ins Pannonische, Vögel zwitschern und drei Musiker geben sich den Seelen ihrer Instrumente hin. Es wird still. Poesie waltet – Kriege werden trotzdem geführt. Doch bleiben sie nicht das einzige im Nachleben der Fürsten. Auch Luigi Tomasini wirkte als Geiger und Komponist am Hofe; Haydn schätzte seine Virtuosität. Andreas Lidl galt überhaupt als Baryton-Virtuose, der mit den klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes lustvoll experimentierte. Es wäre ein sträflicher Luxus, das Baryton zu vergessen!